Wenn die „Brigitte“ anfängt, sich mit Aktien zu beschäftigen…

… könnte man vermuten, man habe das Ende der Börsen-Hausse erreicht. Wenn das nicht nach Dienstmädchen-Hausse riecht, dann weiß ich es auch nicht.

Brigitte (17.01.2018): „Das Märchen von der bösen Börse“ (Paywall)

Der Artikel ist abgesehen vom Teaser kostenpflichtig (es sei denn, Ihr habt das Brigitte Digital-Abo!). Hier die Zitate, die ich kommentierungswürdig finde:


„Börse ist im Grunde sogar demokratisch, weil jeder die Chance hat, sich selbst mit geringen Mitteln am „Produktivkapital“ zu beteiligen.“


Durchaus richtig. Klingt ein bisschen nach Klassenkampf und „Endlich gibt es Gerechtigkeit“. Gleichzeitig impliziert die Veröffentlichung eines Artikels zum Thema, dass auch jetzt auch der richtige Zeitpunkt ist, in Aktien zu investieren, und das darf man angesichts der weltweit rekordhohen fundamentalen Bewertungen in Frage stellen (siehe die Shiller CAPE Ratio in folgender Grafik: inflationsbereinigtes, zyklusbereinigtes KGV basierend auf Gewinnen der vergangenen 10 Jahre):

Shiller PE Ratio: Aktueller Kurswert geteilt durch inflationskorrigierten Mittelwert der Unternehmensgewinne der letzten 10 Jahre (Datenquelle: http://www.multpl.com/shiller-pe/)


„Wenn Sie wenig verdienen, müssen Sie eigentlich sogar ganz besonders darauf achten, dass sich Ihr Geld vermehrt.“


Etwas banaler formuliert: Wenn man zu wenig Geld hat, muss man sich darum kümmern, dass man mehr hat. Vollkommen richtig. Aber hier spielen mal wieder weitere Faktoren eine Rolle, wie z.B. wieviel ist meine maximale  Akzeptanz für Verluste? Was muss ich auf die Seite legen für Notfälle, bevor ich ein potentiell risiko-behaftetes Investment eingehe?


„Ende der 90er-Jahre waren Anleger gierig geworden. Die Nachfrage nach Aktien war so groß, dass deren Preise weit über den Wert der Unternehmen geklettert waren. Das Ungleichgewicht hat sich im Crash aufgelöst. Im Langfristchart, also einer grafischen Abbildung der Kursentwicklung über viele Jahre, ist dieser Crash – wie alle anderen auch – heute nur noch eine kleine Delle.“


Angesichts der Tatsache, dass wir uns nun wieder in Bewertungsdimensionen bewegen (siehe Shiller PE), die der Blase aus 1999 ähneln, ist die Bagatellisierung („nur noch  eine kleine Delle“) sicher nicht hilfreich, wenn man oben von der Klippe springt.

Fazit: Der Artikel ist sicher nicht vollständig irreführend und surreal (Wie der Auftritt von Crypto Carlos), aber ich finde es verwerflich, dass hier mit oberflächlich recherchiertem Wissen der emotionale Köder ausgelegt wird, um eher unerfahrene potentielle Anleger in ein Investment zu treiben, wo das Timing und die aktuellen Bewertungsniveaus die Wahrscheinlichkeit senken, dass die Anleger hier ohne blaues Auge rauskommen…

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